"Randstrukturen für die Biodiversität in intensiv genutzten Landschaften"


Wo und unter welchen Voraussetzungen wachsen in einer Landschaft welche Wildpflanzenarten? Wo konzentrieren sich gefährdete Arten? Diese Frage flächendeckend zu beantworten ist aufwändig und wird deshalb kaum je angegangen. Auf Litzibuch war dies dank einer Diplomarbeit in Zusammenarbeit mit der ETH Zürich möglich. Der Biologe Georg von Arx nahm im Jahre 2001an 480 über die landwirtschaftliche Nutzfläche des Hofes verteilten Stellen alle Pflanzen genau auf (von Arx et al. 2003). Er registrierte dabei 180 Wildpflanzenarten. Davon wuchsen 61 Arten im Ackerland, 42 in den Intensivwiesen (inkl. einjährige Beikräuter der Kunstwiesen), 46 in den Extensivwiesen und 169 in den weniger als 2% der landwirtschaftlichen Nutzfläche umfassenden Randbereichen entlang von Wegen und Waldrändern.

Auf den produktionsorientiert genutzten Flächen wuchsen total 98 Pflanzenarten. Bis auf wenige Ausnahmen fanden sich diese Arten auch in den Randbereichen wieder. In den Randbereichen kamen demgegenüber insgesamt 168 Arten vor, wovon mehr als die Hälfte, nämlich 83 Arten, in der eigentlichen Nutzfläche fehlten. Dies macht die grosse Bedeutung der flächenmässig kleinen, aber nicht so intensiv genutzten Randbereiche und Ruderalstellen deutlich.

Bei fast allen gefundenen Pflanzenarten handelt es sich um weit verbreitete und häufige Arten. Einzig 13 Arten sind in der Region und im Mittelland ziemlich selten und teilweise gefährdet (unterstrichen, gemäss der Roten Liste): Hieracium lactucella, Agrostis canina, Alchemilla arvensis, Rumex palustris, Chenopodium botrys, Nicandra physalodes,Gnaphalium uliginosum, Holcus mollis, Stachys palustris, Vicia tetrasperma, Erysimum cheiranthoides, Melampyrum pratense, und Orchis maculata. 6 dieser Arten kommen in den Fruchtfolgeflächen vor, 7 in extensiv genutzten Randbereichen. 6 Arten (fettgedruckt) sind nicht im nachgeführten Florenatlas der Schweiz (www.webflora.ch) aufgeführt, sind also Neufunde für die Kartierfläche Birmensdorf. Rumex palustris ist eine seltene Adventivpflanze, die ev. mit Saatgut eingeschleppt worden ist (nur wenige Exemplare in einer neu angesäten Fromentalwiese), das Vorkommen von Chenopodium botrys hingegen ist bemerkenswert. Es wächst regelmässig im Bereich des südexponierten Gemüsegartens in grösserer Zahl als Beikraut. Seine nächsten Standorte liegen gemäss Florenatlas im Kanton Schaffhausen.

Diese Untersuchung, die vor der Umsetzung des Landschafts-Entwicklungskonzeptes auf Litzibuch durchgeführt wurde, dient als eine wichtige Grundlage zur Dokumentation der Auswirkungen, welche die umfangreichen ökologischen Aufwertungsmassnahmen des Hofes Litzibuch auf die Artenvielfalt haben.